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Schreibaufgabe Juni - Sonnenuntergang

  • Von Catalina
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Der feine, nasse Sand des Strandes gab unter meinem Gewicht nach. Die Wellen umspielten meine nackten Füße sanft.


Das Wasser brachte mir die langersehnte Kühlung. Jenes Wasser, in welches die Sonne nun versinken und das Ende des Tages einläuten würde.


Erst in den Abendstunden war es möglich das Haus zu verlassen, ohne gleich einen Hitzschlag zu bekommen. In den Sommermonaten brannte die Sonne unerbitterlich herunter und es war kaum auszuhalten.


Nur ab und zu brachte der Meereswind eine frische Brise hinauf in unseren Garten. Ansonsten tat man besser daran, das Haus nicht zu verlassen und erst jetzt mit dem Untergang der Sonne dieses zu wagen.


Ich war nicht alleine am Strand. Vor mir sprang meine schwarze Labrador-Mischlingshündin Charlie immer wieder in die Welle. Sie bellte diese an, knurrte hin und wieder und versuchte sie zu fangen. Ein aussichtsloses Unterfangen, aber sie hatte sichtlich Spaß daran und brachte so auch mich immer wieder zum Lachen!


Charlie begleitete mich nun schon einige Jahre und gehörte fest zu meiner kleinen Familie. Zuerst waren es nur sie und ich.


Ich hatte sie aus dem Tierheim gerettet.

Und ja, gerettet traf es ziemlich gut.

Denn hätte ich sie an dem Tag nicht zu mir geholt, wäre sie noch am selben Abend eingeschläfert worden.


Ich konnte kaum weiter darüber nachdenken, denn es gab viele Hunde und Katzen, denen genau dieses Schicksal erwartete – Tag für Tag – und ich konnte sie schlecht alle retten.


Tiere, die hier in L.A. im Tierheim landeten beziehungsweise galt diese Regel in den ganzen USA, hatten ihr Todesurteil bereits unterschrieben. Hunde hatten ein Woche Zeit um ein neues zu Hause zu finden und Katzen nur drei Tage. Danach werden sie eingeschläfert, teilweise erschossen.


Ich konnte Charlie nicht dort lassen. Sie war beinahe noch ein Baby und so verängstlicht. Ich hatte an dem Tag nicht vor gleich einen Hund mitzunehmen, wollte mich eigentlich nur einmal umschauen und informieren. Aber es schien als hätte sie nur auf mich gewartet.


Als ich mich dort umgesehen hatte und von dem Chef durch die Räume geführt wurde, entwischte sie gerade einem anderen Mitarbeiter und rannte direkt auf mich zu. Es kam mir vor als suchte sie Schutz bei mir. Ganz dicht kuschelte sie sich an meine Beine, zog den Schwanz ein, der trotzdem vor Freude wedelte, und schaute ängstlich zu dem Chef und dem anderen Mitarbeiter des Tierheimes. Als sie dessen Stimme hörte fing sie an zu fiepsen und pieselte vor lauter Angst direkt vor mir auf den Boden.


Die verächtlichen Worte des Tierheimleiters neben mir, gaben mir die Entscheidung, dass Charlie nicht dort bleiben konnte: „Das ist der größte Schisser, den wir hier haben, kein Wunder, dass die ausgesetzt wurde! Also Miss, wenn sie 'nen Hund ohne Rückgrat suchen, ist das ihrer. Ansonsten ist sie heute Abend weg!“


Was er mit 'weg' meinte, wusste ich nur zu genau! Charlie kuschelte sich immer weiter zu mir heran. Ich kraulte ihr beruhigend die Ohren, schloss für einen Moment die Augen und als ich diese wieder öffnete, sagte ich: „Ich nehme sie!“


So kam dieser kleine, süße Wirbelwind zu mir oder ich eben zu ihr! Wir waren ein Team und ja sie war ein großer Angsthase. Männer waren ihr ein Graus! Heute noch! Niemand wusste woher sie genau kam oder was sie bei ihren vorherigen Besitzern erlebt hatte. Das konnte ich nur erahnen!


Aber es wurde besser mit der Zeit. Mit jedem Tag, den wir zusammen verbrachten, blühte sie mehr auf und wurde zu dieser verspielten, Wellen anbellenden Hundedame.


Und heute, drei Jahre nach unserem Kennenlernen, tobte sie mit mir den einsamen Strand von Malibu entlang.

Noch waren wir alleine hier, aber wenn mein geliebter Mann es schaffte, pünktlich auf Arbeit Schluss zu machen, würde er noch zu uns herunterkommen.


Unser Haus, welches eher eine Villa war, lag oberhalb dieses kleinen Strandabschnitt, nur getrennt von Pacific Coast Highway. Wir wohnten noch nicht allzu lang hier und doch war es in der kurzen Zeit unser Zuhause geworden.


Die Villa hatte mein Dad, ein bekannter Architekt, entworfen und ich hatte mich an die Innengestaltung gemacht.


Ich arbeite als Innenarchitektin, meistens mit meinem Dad zusammen. Die ganzen Planungen konnte ich oft von zu Hause aus machen. Ich hatte mir extra ein Büro dort eingerichtet.


Es reichte, dass mein Mann als Schauspieler ständig unterwegs war und immer mal wieder wegen seiner Arbeit für Wochen verschwand. Da war es ganz gut, dass ich hier vor Ort arbeitete und auch selbstständig war, so konnte ich mir doch spontaner frei nehmen, als wenn ich in einer externen Firma arbeiten würde.


Nur an der Reaktion von Charlie wusste ich, dass Rob in dem Moment an den Strand gekommen war. Denn sie hörte in ihrem Spiel auf, stellte die Ohren auf und blickte, schwanzwedelnd an mir vorbei. Keine Sekunde später rannte sie los.


Lachend drehte ich mich ebenfalls um und sah noch, wie mein Mann sich hinhockte und Charlie ihm freudig, bellend in die Arme sprang und ihn damit umriss beziehungsweise Rob sich einfach mit ihr in den Armen nach hinten fallen ließ.


Als ich Rob kennenlernte, ebenfalls bei einem Spaziergang am Strand, hatte Charlie vor ihm genauso Angst wie vor jedem anderen Mann. Diese legte sich aber recht schnell, da er sie einfach nur liebe- und respektvoll behandelte.


Ich ging immer noch lachend zu den beiden hinüber und setzte mich zu ihnen. Rob und Charlie rauften noch eine Weile miteinander.

Mein Hund genoss die ausgiebigen Streicheleinheiten von Rob und ließ sich vertrauensvoll von ihm die Ohren kraulen. Immer wieder bellte Charlie und sprang wieder an Rob hoch, der inzwischen wieder saß und nun aber ihr Spiel unterbrach: „Charlie, mach Platz! Jetzt ist erst einmal dein Frauchen dran!“


Und Charlie hörte sofort auf Rob, legte sich erschöpft, aber sichtlich glücklich, neben ihn in den Sand. Mein Mann drehte sich nun hingegen zu mir herum, legte seine Hand in meinen Nacken und bevor seine Lippen auf meine trafen, sagte er leise: „Hi Baby, ich hab dich vermisst!“


Wir blieben lange so nah beieinander - im Arm des anderen, uns küssend und mit der untergehenden Sonne im Hintergrund. Erst als wir beide dringend wieder Luft zum Atmen brauchten, lösten wir unseren Kuss. Wir blieben aber weiterhin so sitzen und legten die Stirn aneinander und versanken in den Augen des anderen – blau-grau traf dunkelgrau.


Obwohl Rob's Augen heute eher dunkelblau schimmerten. Ich hatte noch nie so faszinierende Augen gesehen wie seine, denn diese wechselte ihre Farbe immer wieder! Je nachdem in welcher Stimmung er sich befand oder auch welches Licht um uns herum war. Und jetzt in der untergehenden Sonne wurde das Blau in ihnen erst so richtig deutlich und sie erschienen in einem tiefen dunkelblau!


Ich drehte mich in Rob's Armen, sodass ich nun zwischen seinen Beinen saß und mich mit dem Rücken an seine Brust lehnen konnte. Er schloss seine Arme um mich herum und zog mich damit noch näher zu sich heran.


Wir hatten beide unseren Blick auf die untergehende Sonne gerichtet. Sie hatte beinahe den Horizont erreicht und es fehlten nur noch wenige Inches bis sie das Meer berühren würde.


Wir wechselten kein Wort miteinander. Das war in dem Moment nicht nötig. Wir genossen dieses Naturschauspiel um uns herum in aller Stille. Nur das Rauschen des Meeren war zu hören, die Wellen wie sie immer wieder auf den Strand trafen und selbst der Verkehr auf der oberen Straße rückte gänzlich in den Hintergrund.


Ich liebte diese friedlichen Momente mit meinen Lieben! Auch wenn wir es besser wussten, aber es schien für eine Zeit lang die Welt stehen zu bleiben. Es gab nur Rob und mich, und natürlich Charlie. Aber es gab keine Arbeit, kein Stress und vor allem keine nervigen Paparazzi!


In der Sekunde berührte die Sonne den Pazifik und ich musste, wie so oft, an meinen Dad denken! Schon als Kind war ich immer wieder mit ihm hier unten am Strand und wir sind dort geblieben bis die Sonne ins Meer versunken war.

Als Kind hatte ich wenig Verständnis dafür, dass mein Dad diese Ruhe genieße wollte. Ich wollte viel lieber weiterhin mit ihm spielen und durch die Wellen toben.

Aber er schaffte es doch hin und wieder mich zur Ruhe zu bekommen, in dem er sagte: „Du musst leise sein, Lizzy! Wenn die Sonne das Wasser berührt und du ganz, ganz leise bist, hörst du das Zischen!“


Dann legte er seinen Zeigefinger auf seine Lippen und zeigte mit der anderen Hand auf das Meer und sobald der untere Rand der untergehenden Sonne auf die Meerekante traf, machte er einen leisen Zischlaut.

Als ich noch ganz klein war, habe ich immer gedacht, dass es wirklich die Sonne ist und erst später gemerkt, dass es nur mein Dad war. Aber es war immer wieder faszinierend und ich muss heute noch daran denken und warte immer noch auf dieses ganz leise Zischen.


Als nun an dem heutigen Abend die Sonne gänzlich verschwunden war, zog mich Rob noch einmal fester in seine Arme und gab mir einen kleinen Kuss hinter mein Ohr. Es war seine stille Art und Weise 'Ich liebe dich' zu sagen.


„Lass uns nach Hause gehen, Catniss!“, sagte er nun leise und stand in einer fließenden Bewegung auf. Charlie war auch sofort auf den Beinen und Rob reichte mir seine Hand und half mir auf. Wir klopften beide den Sand von unseren Sachen.


Als ich damit fertig war, strich ich Rob sanft durch seine Haare, zog ihn dichter zu mir heran und küsste ihn. Damit schien Charlie im Moment nicht einverstanden zu sein und sprang bellend an uns hoch. Rob und ich musste beide in unseren Kuss hineingrinsen und lösten diesen dann lachend.


An meinen Hund gewandt sagte ich: „Komm mit, du Eifersüchtige!“


Ich legte Charlie noch die Leine an, griff nach Rob's Hand und zu dritt machten wir uns auf den Weg nach Hause.


Und so heiß es den ganzen Tag unter der Sonne war, so sehr kühlte es nun ab, weil diese nicht mehr bei uns war. Ich war froh, dass Rob nun nicht mehr nur meine Hand hielt, sondern seinen Arm um mich gelegt hatte und ich so durch seine Körperwärme nicht allzu sehr fror.


Der Weg nach Hause war nicht weit und wir erreichten schnell die Villa, welche von allen Seiten durch Spots beleuchtet wurde und diese nun alles in ein warmes, goldenes Licht tauchten.


Hier war unser Zuhause! Am Strand von Malibu, etwas außerhalb von L.A. hatten Rob und ich unseren persönlichen Zufluchtsort gefunden. Hier gab es nur uns und wir konnten diejenigen sein, die wir wollten und eben auch waren! Fernab von der Öffentlichkeit!  


Catalina
Catalina

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