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Das letzte Mal

  • Von Catalina
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Es war mein letzter Abend in Texas, bevor es nach zwei Jahren hier in der Fremde, die mir ein zweites Zuhause geworden ist, wieder zurück nach Deutschland ging.


Da es mein Abschiedsessen mit unseren Freunden war, durfte ich mir das Restaurant aussuchen. So genossen wir noch einmal gemeinsam die ausgelassene Stimmung im Steakhouse.


Ein letztes Mal hieß es „Hi, I'm Stacy! I'm taking care of you today! What can I do for you?“

Wie oft haben wir uns über diese Aussage der Kellnerinnen hier lustig gemacht und doch wurde mir nun bewusst, dass ich es auch vermissen würde.


Das Essen war, wie immer hier, sehr gut. Ich wusste, dass es schwer werden würden in Deutschland so gutes Rinderfilet zu bekommen. Es würde vor allem unmöglich sein, es zu so einem günstigen Preis zu bekommen.


Die Stimmung in unserer Gruppe war ausgelassen. Wir lachten viel und mussten beinahe noch mehr lachen, als am Nachbartisch bekannt wurde, dass sie ein Geburtstagskind in der Runde hatten.

So hörte ich wahrscheinlich auch für lange Zeit ein letztes Mal: „Attention Texas Roadhouse!!! We have special guest today, this is Max and it's his 24th birthday ….“


Oh man, es gab auch wirklich keinen Abend hier, an dem nicht mindestens ein Gast Geburtstag hatte. Oft waren es sogar mehrere und ich war wieder einmal froh, dass meine Freunde mir damals diese Peinlichkeit erspart hatten.


So verbrachten wir aber zusammen einen echt schönen Abend und auch im Auto war unsere Stimmung weiterhin sehr ausgelassen. Als wir dann aber in die Straße unserer Freunde einbogen, wir hatten sie heute in unserem Auto mitgenommen, wurde mir schwer ums Herz. Ich würde diesen Weg heute ein letztes Mal fahren!


Zwar würde ich die zwei bald in Deutschland wiedersehen, da auch sie die nächsten Wochen zurückgehen würden, aber sowohl wir, als auch sie, würden ihr Haus hier aufgeben. Es war also ein Abschied für immer von dem Ort, der uns die letzten beiden Jahre ein Zuhause geworden war!


Bereits im Auto wurden meine Augen feucht und als ich meine Freunde zum Abschied ein letztes Mal umarmte, war es gänzlich vorbei und ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten.


Diese versiegten die ganze Nacht nicht. In unserem Haus meine gepackten Koffer zu sehen, war mindestens genauso schwer und mir wurde immer deutlicher bewusst, dass der Abschied zum Greifen Nahe war.


Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von meinem Mann, der zur Arbeit musste! Es war schwer ohne ihn zurückzufliegen, aber er würde in zwei Wochen ebenfalls nachkommen.


Eine Familie gab es hier noch, von der ich mich verabschieden musste – unsere Nachbarn. Sie waren in den zwei Jahren weit mehr als nur unsere Nachbarn gewesen. Inzwischen waren wir sehr gute Freunde und so war es um so schmerzhafter zu wissen, dass zukünftig mehrere tausende Meilen, ganze Kontinente und Ozeane liegen würden.


Die letzten Worte meiner Freundin zum Abschied brachten die nächsten Tränen und es fiel mir so unglaublich schwer sie nach unserer Umarmung gehen zu lassen. Am liebsten hätte ich sie einfach in meinen Koffer gepackt und mitgenommen.


Aber trotz der Entfernung würde unsere Freundschaft bestehen bleiben, da war ich mir sicher. Ich hatte hier immer wieder gesagt, dass unsere Haustür für sie jeder Zeit offen sein wird und so war es auch bei ihr für uns. Wir würden uns gewiss wiedersehen!


Es war an der Zeit zum Flughafen zu fahren. Dieser lag zwei Stunden Autofahrt entfernt und Freunde von mir hatten mir angeboten, mich zu fahren.


Die Koffer waren verstaut und wir vier Mädels saßen im Auto. Im ersten Moment fühlte es sich an, wie einer unserer vielen Shopping-Girls-Trips nach Dallas. Aber dann wurde mir doch wieder bewusst, dass ich nicht wieder hierher zurückkehren würde.


Ich warf einen letzten Blick auf unser Haus und schon waren die Tränen wieder da! Wir fuhren aus unser Wohngebiet heraus und an der Wache vorbei durch das Maingate. Meine Sicht wurde mit jedem Meter, den wir fuhren, verschwommener.


Aber ich hatte meine Besten hier bei mir und die drei lenkten mich recht gut ab. Eine Traurigkeit und Melancholie lag weiterhin über uns, aber wir konnten doch über vieles lachen und erinnerten uns an die tolle Zeit, die nun hinter uns lag.


Auf halber Strecke gab es einen Parkplatz und es war zur Tradition geworden, dass wir dort hielten und uns jeder einen Kaffee holten, bevor es wieder zurück auf den Highway ging.


Der Check-in am Flughafen klappte ohne Probleme und nun war es an der Zeit hier ein letztes Mal Good-bye zu sagen. Ich nahm jeden meiner Freunde noch einmal fest in die Arme. Ich würde sie alle bald in Deutschland wiedersehen. So tat der Abschied zwar weh und die Tränen liefen bei uns allen, aber wir würden uns ja bald wieder haben.


Vor Flügen war ich immer nervös! Ich mochte fliegen noch nie gerne, auch wenn ich mich hier in den USA ein wenig daran gewöhnt hatte. Aber dieser Flug zurück nach Deutschland war dann wider erwartend doch recht unterhaltsam für mich.


Es war eine deutsche Fluggesellschaft und ich mit großer Freude verwirrte ich die Flugbegleiter. Mit der einen sprach ich englisch, schön mit meinem texanischen Akzent, mit der anderen wiederum sprach ich deutsch und bei der dritten wechselte ich ständig zwischen deutsch und englisch. Irgendwie wussten die am Ende selbst nicht, in welcher Sprach sie nun mit mir sprechen sollte.


Deswegen landete ich auch recht gut gelaunt in Deutschland. Dort am Flughafen erwartete mich mein Bruder! Die Wiedersehensfreude war groß und mir wurde bewusst, dass dies hier ein Zurückkommen nach Hause bedeuten – ein Wiedersehen mit der Familie und gleichzeitig auch ein Neuanfang.


Es tut weh und fällt schwer, daran zu denken, was nun hinter mir liegt. Damals Deutschland zu verlassen, fiel mir um Einiges leichter. Vielleicht, weil ich wusste, dass ich wieder zurückkommen würde.


Texas nun hinter mir zu lassen und womöglich ein letztes Mal dort gewesen zu sein, war schmerzhaft. Denn ich bin dort in der Fremde vor zwei Jahren angekommen, aber schnell wurde dieses einsame Fleckchen Erde zu meinem Zuhause.


Das Unbekannte wurde zum Vertrauten!


Catalina
Catalina

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