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Mein Fels in der Brandung

  • Von Catalina
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Immer wieder werde ich gefragt, wo kommst du her?

Die Frage ist schwierig zu beantworten.


Meint ihr, wo ich geboren wurde?

Meint ihr, wo ich aufgewachsen bin?

Oder einen der vielen Orte, an denen ich gelebt habe?


„Zu Hause ist für mich schon lange kein bestimmter Ort mehr!“, lautet dann meistens meine Antwort.

Wir, mein Mann und ich, mussten alle paar Jahre umziehen. Wir waren kaum länger als drei Jahre in einer Stadt.


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So bin ich nun zu Hause, wo immer du bist! Auch für dich war dies schon lange kein bestimmter Ort mehr.

Du hast immer zu mir gesagt: „Du bist mein Zuhause!“


So gaben wir uns in diesem unbeständigen Leben, welches wir führten, gegenseitig den nötigen Halt.

Ich gab dir diese Sicherheit bis zum Schluss. Obwohl wir getrennt waren durch tausende von Meilen!


„Ich lasse mein Herz hier bei dir! Pass' gut darauf aus!“, waren deine Worte, bevor du in den Flieger gestiegen bist.


„So wie du meines hast!“, war meine Antwort.

Ein letzter Kuss und du warst gegangen.


Der allerletzte - wird mir nun wieder schmerzlich bewusst.


Mein Herz ist gegangen und damit auch mein Zuhause! Ich bin rastlos, ruhelos! Ich weiß nicht, wohin mit mir. Trotz all der Unbeständigkeit in unserem Leben gab es einen Fixpunkt und der warst du!


Doch du bist nun einen Weg gegangen, der für mich noch verschlossen ist.


Die Fahrt zum Flughafen an diesem schwulen Sommertag hatte ich mir anders vorgestellt. Du sicherlich auch!


Wie bunt und voller Freude hatten wir uns unser Wiedersehen ausgemalt!

Noch bei unserem letzten Telefonat hast du gesagt: „Nur noch drei Wochen, Baby und dann werde ich dich wieder in meine Arme schließen können!“


Diese Worte klangen so gut, so süß und so voller Zuversicht und Sehnsucht.


Die Zuversicht erstarb nur wenige Stunden später:


In den frühen Morgenstunden klingelte es an unserer Haustür und ich wunderte mich schon sehr, wer zu so früher Stunde etwas von mir wollte. Ich erkannte die Personen vor mir sofort – der direkte Vorgesetzte meines Mannes und der Militärseelsorger – und mit dem Erkennen kam schlagartig die Erkenntnis, was dies nur bedeuten konnte – es musste bei seinem Auslandseinsatz etwas schreckliches passiert sein.


Die nächsten Stunden und Tage gingen über in Wochen und zogen an mir vorbei wie ein Film. Die Sehnsucht nach meinem Seelenverwandten hingegen wuchs mit jeder Sekunde, die verging! Nie wieder würde sie gestillt werden!


Über alles legte sich ein Schatten, ein nicht durchdringbarer Nebel und der heute Tag war der bisher schwärzeste in meinem Leben.


Der Wagen, der mich zum Flughafen brachte und somit zu dir, hielt auf dem Rollfeld in der Nähe des Airbus.

Ein junger Offizier öffnete mir mit dem einfachen und schlichten Wort „Mam'“ die Tür und half mir beim Aussteigen.


Er erinnert mich so sehr an dein jüngeres Ich. Er trug seine Uniform mit dem gleichen Stolz, genau wie du es tatest!


Mit zittrigen Knien stieg ich aus dem Wagen. Der General deiner Einheit stand nun vor mir und begrüßte mich stumm mit einem Handschlag. Worte waren nicht nötig. Es gab nichts, was mir diesen Weg erleichtern würde.


Er führte mich zu dir, aber zog sich dann dezent zurück. So gab er mir hier die Möglichkeit, die Zeit und die Ruhe mich von dir alleine zu verabschieden.


Du bist zu Hause! Und doch gab es genau diesen Ort für mich nicht mehr! Denn du warst mein Zuhause. Du bist mir gerade so nahe und doch auch unerreichbar.


Es ist so schwer! Ich stand nun bei dir - alleine, verlassen und mit dem unsagbaren Schmerz des Verlustes kämpfend.


Sanft berührte meine Hand die weißen Sterne auf dem blauen Grund und mit jeder Sekunde wurde mir bewusst, dass mein schlimmster Albtraum zur Wahrheit wurde.

Ich legte meine Stirn auf meine flache Hand. Ich fühlte mich dir so näher und doch warst du so unsagbar weit weg.


Für uns hier unten nicht mehr erreichbar!


Ein Platz bei Gott, das wünsche ich dir nun!

Ich kann nur hoffen, dass du dort Frieden findest.


„Ich lasse mein Herz bei dir, pass' gut darauf auf!“, waren nun meine letzten Worte an dich.


Schweren Herzens löste ich mich von dem Sarg – deinem Sarg!


Im Gehen nickte ich dem General zu, gab ihm damit zu verstehen, dass er alles weitere veranlassen konnte und stieg nun wieder in den Wagen, der mich auch hierher gebracht hatte.


Kein Laut verließ meine Lippen, stumm flossen die Tränen über meine Wange. Ich hatte nicht die Kraft, diese wegzuwischen.


Für alle Außenstehenden war ich die Ruhe selbst, wirkte wahrscheinlich zu gefasst und nicht trauernd genug.

Doch mein Inneres schrie und kämpfte verzweifelt um Fassung. Meine Seele war gebrochen, mein Herz weit weit weg und für niemanden mehr erreichbar.


Ich hatte mit deinem Fall meinen Halt, meine Sicherheit, mein zu Hause auf dieser irdischen Welt verloren.


Vielleicht fand ich sie irgendwann wieder. Doch zurzeit war daran nicht zu denken, zu sehr halte ich an dir fest und an all die schönen Jahre, die wir zusammen hatten.


Ich kann sagen, es war die schönste Zeit meines bisherigen Lebens, auch wenn sie viel zu kurz war und viel früh endete.



Aber wie heißt es so schön: „Es ist nicht die Lebensdauer, die zählt, sondern die Tiefe des Lebens“


Catalina
Catalina

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