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Freezing - die Bewegungsstörung bei Parkinson

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Freezing – Bewegungsblockaden bei Parkinson

Plötzlich, ohne Vorwarnung, scheinen die Füße am Boden festgeklebt, die Bewegungen stoppen, alles fühlt sich wie festgefroren an.

Viele Menschen mit Parkinson  und deren Angehörige kennen diesen Zustand,  der in der Fachsprache als „Freezing“ (engl. für „Gefrieren“)  bezeichnet wird.Doch gibt es Strategien und Hilfsmittel, die die Bewegungsblockade lösen.

Freezing - was ist das?

Das Freezing ist eine Bewegungsblockade, die von einer Sekunde  auf die nächste eintreten kann. Die Auslöser und Situationen sind unterschiedlich,  es kann morgens beim Aufstehen auftreten  oder durch kleinste alltägliche Veränderungen  wie einem Richtungswechsel,  beim Loslaufen an Ampeln  oder durch Passieren einer Engstelle ausgelöst werden.

Selbst im eigenen Haus oder – besonders gefährlich -  im Auto können Freezing-Situationen auftreten.  Die Bewegungsblockade kann  von einem Augenblick bis zu 30 Sekunden dauern  und mehrmals am Tag auftreten.
Die genauen Ursachen des Freezings sind nicht geklärt.

Bei einigen Betroffenen können Schwankungen des Dopamin-Spiegels  im Gehirn die Blockaden auslösen.

Dopamin ist ein Botenstoff,  der von Nervenzellen im Gehirn produziert wird  und bei gesunden Menschen kontinuierliche Nervenimpulse auslöst.

Bei Menschen mit Parkinson sterben die Nervenzellen langsam ab,  die Dopamin produzieren.

Medikamente helfen unter anderem, den Dopamin-Spiegel zu regulieren.

Liegt der Arzneimittelspiegel zu niedrig,  kommt es bei einigen Betroffenen zu einer Bewegungsblockade

Doch gibt es auch Betroffene,  bei denen die Medikamente selbst das Freezing verursachen.

Hilfe bei Freezing

Da die Ursachen des Freezings noch nicht genau geklärt sind,  gibt es keine Medikamente, die die Bewegungsblockaden verhindern können.
Doch können speziell ausgebildete Physiotherapeuten Betroffene  mit Strategien und Hilfsmitteln vertraut machen,  die dazu beitragen, die Blockade zu durchbrechen.

Paradoxerweise hilft es oft, scheinbar schwierige Bewegungen durchzuführen, beispielsweise eine Markierung am Boden zu überschreiten.

Dieses Prinzip machen sich spezielle Gehstöcke  mit unten ausklappbarem Seitenteil, das überschritten werden muss,  oder der Laserpointer  zunutze.

Auch akustische Signale wie Klatschen, rhythmische Musik,  Kommandos, Zählen oder ein Metronom vermögen die Freezing-Situation aufzulösen.

Angehörige können auch helfen,  indem sie einen leichten Klaps auf den Oberschenkel geben.

Diese stimulierenden Strategien und Hilfen,  auch als „Cueing“-Strategien (engl. cue = „Stichwort, Auslösereiz“)  haben über die unmittelbare Lösung einer Blockade auch weiter reichende Effekte:Sie bessern die Ganggeschwindigkeit, die Schrittlänge und die Haltungsstabilität.
Ein spezielles Programm für Betroffene, das „Münchener Anti-Freezing Training“

hat Prof. Dr. A. Ceballos-Baumann,  Chefarzt der Neurologie und Klinischen Neurophysiologie  an der Schön Klinik München Schwabing zusammen mit einem Kollegen und zwei Physiotherapeutinnen entwickelt.

Dabei wird zunächst analysiert, was beim jeweiligen Patienten das Freezing auslöst: Sind es vor allem Engstellen?  Oder stockt die Bewegung immer kurz vor dem Ziel?

Diese Situationen werden dann geübt, zunächst in der Klinik, später zu Hause.


Wichtig ist, das Training beizubehalten und auch zu Hause oder auf der Arbeit ständig zu üben. Nur so gelingt es, mobil zu bleiben  und freezingauslösenden Stress zu reduzieren.





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